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WM 2010 Deutschland - England

Vier Bärenschweizer waren dabei

WM2010Karten hatten wir für das Achtelfinale in Bloemfontein und fieberten bis zum Schluss, ob Deutschland Gruppenerster werden würde. Nach der Zitterpartie gegen Ghana waren wir gewiss und flogen frohen Mutes am Freitag nach Johannesburg. Mit einem Mietwagen fuhren wir die 500km lange Strecke. Für die Kinder und mich war es das erste Live-Fußballturnier und dann auch noch so ein Hammerspiel! Im Gepäck Vuvuzela, Ohrstöpsel und unser gemaltes Transparent, dass unsere Leutchen im fernen Bruchenbrücken erfreuen sollte. Doch leider kam es anders als gedacht. Schon um 11.00 Uhr machten wir uns los Richtung Stadion, das mitten in der Innenstadt lag. Alles war gut organisiert und ausreichend Parkplätze (von da aus Bustransport) vorhanden. Die ganzen Fans versammelten sich an der Waterfront Die übermächtige Anzahl rot und weiß beflaggter Fans machte uns doch ein wenig mulmig – doch die Stimmung war gut. WM2010Anhänger der „Three lions „ sangen sich schon warm mit ihrer Nationalhymne und manche kamen mit aufblasbaren Bomberflugzeugen (Spitfire) und versuchten den Gegner (erfolglos) einzuschüchtern. Gegen Mittag wurde auch die Anzahl der deutschen Fans allmählich größer, und wir marschierten gegen 2 Uhr los Richtung Stadion. WM2010Eine geballte Mannschaft südafrikanischer Sicherheitsleute (die sahen aus wie aus einem Sciencefiction Film, mit Ihrer Montur) filzten die Fußballzuschauer, bevor wir ins Stadion durften. Das Stadion war zu einem Viertel gefüllt, die Bande aber war schon zu Hälfte mit englischen Fußballvereinsfahnen belegt. Unser Transparent plus Deutschlandfahne postierten wir dann noch an einem freien Plätzchen und ließen sie nicht mehr aus den Augen, denn unser Sitzplatz war doch einiges davon entfernt. Nach einer Stunde staunten wir nicht schlecht als wir entdeckten, dass wir genau an der englischen Fankurve angrenzten und wir nur noch rot und weiß sahen. Erste unangenehme Kontakte mit den Engländern entwickelten sich, als sie unser WM2010Plakat mit einer englischen Flagge überhängen wollten. Immer mehr englische Fans umringten Christian, der unseren Platz mit aller Härte verteidigte. In „piekfeinem“ Cockneyenglisch beschimpften und überschütteten sie Christian mit Bier und wir entschieden, die Fahnen von unseren Sitzplätzen wehen zu lassen. (Ich dachte immer, so ein Länderspiel diene der Völkerverständigung!) Dann endlich der Anpfiff! (Leider versagte nun unser Fotoapparat.) Als hätten sie von dem legendären Zaubertrank gekostet - war unsere Nationalelf von der ersten Minute an kaum zu bremsen. Wir erlebten ein aufregendes Spiel, das schon zum ersten Tor der Deutschen in der 19. Min (Klose) führte. Wir jubelten voller Freude bis ein Engländer an Christians Gurgel ging und ihn würgend ermahnte: „Don´t celebrate like that“. Wir alle völlig entgeistert, bekamen Gott sei Dank Unterstützung von 4 Amerikanern, (Marke Arnold Schwarzenegger), die hinter uns saßen und uns mit den Worten: „Don´t worry- we are behind you – the Americans are for peace!“, beruhigten. Dann das Folgetor in der 31. Minute von Poldi. Christian in seinen Enthusiasmus etwas vorsichtiger- dafür die weiblichen Fans voller Elan und Jubelschreie. (Übrigens meine Ohrstöpsel kamen nicht zum Einsatz.) Dann kam das 1.Tor von England in der 37. Minute (von Upson) und es flogen (aus Freude?) volle Bierbecher auf die unteren Sitzreihen. Nun fingen die Engländer an, ihre Mannschaft anzufeuern und ich und die Kinder sangen kräftig dagegen: „Deutschland vor- noch ein Tor“, wofür wir böse Blicke von unserer linken rot–weißen Seite ernteten. Als das „Ausgleichstor“ der Engländer fiel, waren alle verwirrt, dass dieses offensichtliche Tor nicht gewertet wurde. Der Ausgleich für Wimbley 1966! WM2010Gegen meine Vermutung, dass die Engländer nun gleich ausrasten würden, blieb es nur beim Pfeifen und Rumoren. Gott sei Dank folgten dann noch 2 Tore von Müller in der 66. Minute und 69. Minute und ließen das Stadion beben. Ab diesem Punkt waren die „ Three Lions“ körperlich am Ende, und viele englische Zuschauer verließen die Ränge schon vor dem offiziellen Abpfiff oder verfielen in totale Lethargie. Zwei Engländer kamen noch zu uns und gratulierten uns für den deutschen 4:1 Sieg. Eine nette Geste! Die deutschen Fans blieben nach dem Anpfiff länger im Stadion und waren noch hingerissen von dem schnellen und hochprofessionellen Spiel dieser jungen Mannschaft, der wohl nun alles offen steht. Alles in allem war es ein Superspiel und unvergessenes Erlebnis, und es bleibt nun die realistische Hoffnung, dass die Herausforderung gegen Argentinien am Samstag in Kapstadt, ein genauso spannendes und feuriges Spiel wird. Christian wird wieder dabei sein. Er hat noch eine Karte ergattert.

03.07.2010 Liebe Grüße an Bruchenbrücken die Graefen-family