Sie sind hier: Home > Archiv > Archiv 2013 > 150 Jahre Gesangsverein Concordia Teil II

150 Jahre Gesangsverein Concordia Teil II

Wahrscheinlich wegen des Krieges 1870-71 schläft die Vereinstätigkeit ein

Wahrscheinlich wegen des Krieges 1870-71 schläft die Vereinstätigkeit ein. Sie ruhte aus nicht ersichtlichen Gründen bis 01.07.1877. Verwunderlich ist außerdem, das bei der Wiederaufnahme der Initiator der ersten sieben Jahre fehlt, da er noch bis 1884 als Lehrer in Bruchenbrücken wirkte. Es waren diesmal 64 Mitglieder, von denen 32 sangen.

Am 25.08.1878 hielt der Verein sein Sängerfest auf dem "Worr" ab. Eingeladen waren 13 Vereine, von denen nur 6 teilnahmen. Ein Bericht lautet: "Der Festtag war von der Witterung begünstigt, Vergnügen herrschte in allen Gemütern". Kapellmeister Mahl aus Ilbenstadt dirigierte die Musik und bekam laut Akkord 30.00 Mark.

Beim Wiederaufleben des Vereins führte den Stab der Musiker Simon Feuerbach aus Ober Wöllstadt. Nach wenigen Monaten folgte für längere Zeit Johann Hertel aus Friedberg. Unter seiner Stabführung entwickelte sich der Verein sehr günstig. An den jährlichen abgehaltenen Bundesfesten des damaligen Wetterauer Sängerbundes nahm unser Verein regen Anteil.

Am 05.07.1885 war das Bundesfest in Bruchenbrücken. Regenwetter verhinderte den programmmäßigen Ablauf. Man blieb im Zelt bis zum Abend fröhlich beisammen und wiederholte das Fest am folgenden Sonntag bei schönstem Wetter. Nur der Rendeler Verein hatte das wiederkommen vergessen. Der Bericht schreibt am Schluss: "Frohsinn, Fröhlichkeit, Eintracht und Liebe machten dieses Fest zu einem unvergesslichen Jubelfeste. Heil und Segen denen, die in ferner Zeit ein solches Fest nach uns erleben."- Was in unseren Kräften steht wollen wir gerne tun, damit " Heil und Segen" auf uns komme.

Das nicht immer Eintracht und Liebe herrschten, zeigte sich Ende 1893. Man geriet sich über die Lokalfrage in die Haare. 13 Mitglieder, darunter der geschäftsführende Vorstand, traten aus und gründeten einen zweiten Verein "Sängerlust". Bei einer Beerdigung im Januar 1896 singen beide Vereine zusammen Grablieder. Wann die Sängerlust die Lust zum Singen verloren hat, ist aus den Akten der Concordia nicht festzustellen.

Ab 1899 unternimmt der Verein fast jedes Jahr einen Ausflug. Der erste Ausflug war gleich groß angelegt, führte er doch 2 Tage durch den Vogelsberg mit Übernachtung in Schotten. In die jahrzehntelange, selbstlose Tätigkeit des Dirigenten Ludwig Walther fiel die 50-Jahrfeier der Concordia. Sie war am 06. und 07. Juli 1913. Damals lebten noch 2 Gründer. Der eine war krank, und der andere nahm nicht teil, weil er nicht allein in der Ehrenkutsche sitzen wollte. 30 schmucke Festdamen in weißen Kleidern verschönten den Festzug und führten einen wohlgelungenen Reigen vor. Lehrer Walter schreibt am Schluss seines Berichtes: "Es wurde nicht durch den geringsten Misston gestört. Es war ein Fest, das in schönster Harmonie von Anfang bis zum Ende verlief und von dem noch in späten Jahren mit Freude gesprochen werden wird".

Der 1. Weltkrieg unterbrach die Arbeit des Vereins zum zweiten Mal. Fünf aktive Sänger waren dem Krieg zum Opfer gefallen. Auf Betreiben des Lehrers Walter lebte am 20.06.1920 die Tätigkeit wieder auf. Eine Schwächung des Vereins trat damals ein durch die Bildung einer Gesangsriege des Turnvereins. Ein Jahr später wurde sie in den Arbeitergesangsverein "Eintracht" umgewandelt. Nun hatte Bruchenbrücken zwei Gesangsvereine, und in jedem wirkten über 30 aktive Sängerinnen und Sänger mit. -Und heute? Man schiebe die Schuld nicht nur auf die veränderten Anschauungen und vor allem auf die  Jugend. Letztere ist in unserem Verein zahlreich aktiv vertreten. Bequemlichkeit, Kleinigkeitskrämerei und Engstirnigkeit der früheren Aktiven haben den Riesenanteil an dem heutigen beschämenden Zustand. - Einer der beliebtesten Dirigenten der Eintracht war Heinrich Schleich aus Groß-Auheim. 1933 wurde der Verein von den Machthabern des 3. Reiches aufgelöst. Ein Teil der Sänger wirkte wieder in der Concordia mit. Der größte Teil des Liedgutes und sämtliche Akten des Vereins wurden verbrannt.

Quellen: Festschrift Gesangsverein Concordia, Unterlagen Gesangsverein Concordia

11.08.2013 E. Gröschl

Verbraucherinformationen

Verbraucherinformationen