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Unsere Kirche in Bruchenbrücken

Nach einer Recherche von Erhard Gröschl

Die Kirche um 1950Am Freitagabend des 12. Juli 1748 zwischen 19 und 20 Uhr wurde durch einen gewaltigen Blitzeinschlag die Vorgängerkirche zerstört. Bruchenbrücken stand von einer auf die andere Stunde ohne Gotteshaus da. Welch ein Schock für die Bewohner, in einer Zeit in der die Kirche und die Religion einen höheren Stellenwert hatten als heute. Auf Geheiß des Amtmanns Crews begutachtete der Tiroler Baumeister Johann Jacob Fritz das betroffene Bauwerk und entschied, dass die Kirche bis in die Grundmauern total zerstört sei. Nach Tagen der Stille und Betroffenheit begann die Planungsphase für eine neue Kirche. Aber woher sollten das Geld und die Baumaterialien kommen, zumal die Gemeinde über kein Vermögen verfügte. Doch bei der Grafenfamilie von Isenburg fanden die Bruchenbrückener Unterstützung in ihrer Not. Man stiftete Geld, Bauholz und die behauenen Sandsteine für die Portale und die Fenstereinfassungen. Es wurden Kollekten in der gesamten Grafschaft Isenburg Wächtersbach durchgeführt. Weiter wurden Kollekten in nah und fern bewilligt. Pfarrer Diemer selbst ging in die reiche Messestadt Frankfurt. Doch dort stößt er schnell auf Schwierigkeiten. Der Magistrat der Stadt Frankfurt verbietet die Sammlung und gesteht Bruchenbrücken eine Spende von lediglich 15 Gulden aus der Stadtkasse zu. Unser Pfarrer ließ sich mit dieser geringen Summe nicht abspeisen. Er suchte vornehme Persönlichkeiten der reformierten Konfession auf, Die Kirche 2008bat höflich um Spenden und bekam zum guten Schluss eine Summe von 260 Gulden und 55 Kreuzer zusammen. Im ersten Monat des Jahres 1749 begann man mit den Abrissarbeiten an der Kirchenruine. Im Februar 1749 war Pfarrer Diemer als Kollektant im Wächtersbacher Land unterwegs. Dort bekam er zwar nur kleinere Geldsummen, jedoch stiftete man 13 Stämme Bauholz. Im Frühjahr des gleichen Jahres wurden für unseren Kirchenaufbau, als freiwilliger Beitrag von den Einwohnern Bruchenbrückens für den folgenden Herbst nach der Erntezeit 177 Gulden und 6 Kreuzer zugesagt. Ob jeder Beitrag so freiwillig war, lassen wir dahingestellt. Pfarrer Diemer lobte die Einwohner von Assenheim weil sie 70 Gulden versprochen hatten. Mit der Gemeinde Bönstadt war er weniger zufrieden dort gab es nur 41 Gulden und 25 Kreuzer. 1749 wurden auch Kollekten in Holland für unseren Kirchenneubau gesammelt. Welche Beträge hier zur Verfügung gestellt wurden ist unbekannt. Ab März 1749 wurden für den Kirchenneubau die Steine gebrochen. Als entwerfender Architekt war an unserem Kirchenneubau der aus Tirol stammende Johann Georg Bärmann tätig. Im November 1749 nahm man die Handwerker unter Vertrag. Im darauf folgenden Frühjahr wurden die Fundamente ausgehoben und am 20. Mai 1750 um 3 Uhr war im Beisein des Grafen von Isenburg aus Wächtersbach die Grundsteinlegung. Der Grundstein wurde auf der vorderen Giebelseite nach der gemeinen Gasse hin, 10 Schuhe von der Ecke gegen das Pfarrhaus gesetzt. Wobei der zehnte Schuh genau auf den Grundstein fällt. In die Grundsteinkammer legte man folgende Gegenstände hinein: 1 Silberner Taler von 1743, 1 Silbermünze von 1742, 1 kleiner Laib Weißbrot, 1 Bouteillenwein, 1 Tüte Salz, 1 Tüte Kohlen. Mit einer viereckigen Kupferplatte wurde die Kammer verschlossen. Der Bau geht zügig voran. Aber die Kasse war Das Südportal der Kirchenach kurzer Bauzeit fast leer. Da unser Pfarrer in Sachen Kirchenbau stets unterwegs war wurde im Sommer 1750 der Wächtersbacher Theologe Heinrich Gerhard Calaminus als Spendensammler, ausgestattet mit Patent, in die reiche Schweiz geschickt. Dort sammelte er folgende Beträge: Basel 9 Gulden, Zürich 21 Gulden, Bern 45 Gulden und in den anderen Städten und Dörfern der Schweiz 150 Gulden. In Schaffhausen hingegen gab es keinen Gulden. Aus allen Kollekten kamen 1459 Gulden zusammen. Der Neubau schreitet voran und die Steine gehen zur Neige. Der Steinbruch war geräumt. Darauf hin bekam man die Erlaubnis Basaltsteine von der Burgruine und der Stadtmauer in Assenheim abzutragen um sie an unserer Kirche wieder zu verwenden. Am 7. Januar 1751 wird im Beisein des Grafen der Richtkranz auf den Dachstuhl gesteckt. Zwei Monate später ist der Neubau unter Dach. Im Herbst 1751 wird die Kirche feierlich eingeweiht. Das genaue Datum ist leider nicht bekannt. Eine Inschrift auf der Rückwand der Kanzel welche die römische Zahl 1751 und dahinter eine Das Westportal der Kirche9 enthält könnte auf den September hinweisen. Jedoch war früher das Kirchweihfest am zweiten Sonntag nach dem Michaelistag, also nach dem 29. September. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf 3443 Gulden. Es wird nicht berichtet wie der Restbetrag abzüglich des Darlehens der Gemeinde aufgebracht wurde. Die gesamte Bauzeit betrug nur knapp 1 ½ Jahre. Eine kurze Zeit für dieses Bauwerk. Nicht überall wurden die Bauwerke so zügig vorangetrieben. Zum Beispiel in Wölfersheim: Der Neubau der Quersaalkirche begann 1717, ab 1720 stand der Rohbau für volle 17 Jahre ohne Dach da. Erst 1741 nach einer großzügigen Spende wurde das Bauwerk vollendet. Ähnlich in Assenheim: Wegen Uneinigkeit der Finanzierung unter den drei Ortsherren, dauerte es 58 Jahre von der ersten Absicht eine Kirche zu bauen bis zur Vollendung.Das Nordportal der Kirche Aber zurück zu unserer Kirche in Bruchenbrücken. Der Türsturz über dem Nordportal hat eine Inschrift in der man dem Landesvater, allen Spendern und der Gemeinde dankt und schließt mit der Bitte um Gottes Schutz und Segen für die neue Kirche. Über dem Westportal befindet sich unter der Krone das Allianzwappen von Ferdinand Maximilian und seiner Gemahlin Ernestine Wilhelmine einer Gräfin von Stolberg-Gedern. Über dem Südportal sehen wir die verschnörkelten Monogramme des Herrscherpaares. Auf der linken Seite das Monogramm des Grafen: f, m, g, z, i, u, b. Auf der rechten Seite die seiner Gemahlin : e, w, g, z, s, i, u, b (Ernestine Wilhelmine Gräfin zu Stolberg und Büdingen). Alle 3 Portale wurden 1751 von einem Büdingen Bildhauer errichtet. Das erste Turmkreuz wurde vom Schlossermeister Johann Peter Koch aus der Reichsburg Friedberg gefertigt. Es war 9 Fuß hoch und 4 Fuß breit. DiesesKkreuz wurde 1825 ersetzt. 1883 schmiedete Philipp Heinrich Michel aus Bruchenbrücken einen neuen Hahn, den er selbst 1930 erneuerte. Jedoch ein Jahr später war dieser bei einem Sturm derart verbogen, dass er den jetzigen Wetterhahn schmiedete. 1968 bei der Kirchenrenovierung wurde dieses Turmkreuz mit Gold belegt. Die bereits angesprochenen Renovierungsarbeiten von 1966-1968 gaben einen EinErasmus Alberus Kircheblick in den Untergrund der Kirche. Entsprechend den Lagen, der auf unterschiedlichen Höhen freigelegten Fussbodenreste und Mauerstümpfe bzw. Fundamente lassen vermuten, dass diese Kirche mindestens die sechste an der gleichen Stelle ist. Die Vorgängerkirche stand parallel zur Wetter und hatte einen Südturm. Des Weiteren lässt sich aus den Höhenlagen der Fußböden schließen, dass der Kirchenhügel im Laufe der Jahrhunderte mehrfach aufgeschüttet wurde. Übrigens: Überlegen Sie sich, dieses Gebäude wurde ohne eigene Gelder der Gemeinde nur aus Spenden in nur 1 1/2 Jahren erbaut und bis heute weiß man immer noch nicht wie der Restbetrag von ca. 2000 Gulden zusammen kam... Das machte uns stutzig. Vermutlich war Pfarrer Diemer die treibende Kraft. Unsere Recherchen ergeben, dass er aus Griedel stammte und adlige Vorfahren hatte. In den Ahnenforschungen eines gewissen Joachim Kuhl taucht Pfarrer Diemer als Nachkomme in der ca. dreißigsten Generation von Karl dem Großen auf. Sollte dies zutreffen, stellen sich folgende Fragen: Wusste er es? Wenn ja, nutzte er es für den Kirchenwiederaufbau aus? Beide Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben.

Wusste er es?
Wenn ja, nutzte er es für den Kirchenwiederaufbau aus?
Beide Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben.

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